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Überlegungen vor der Entscheidung, ein vierbeiniges Familienmitglied aufzunehmen
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Zunächst stellen sich ja die entscheidenden Fragen, ob genügend Zeit und Platz für einen Vierbeiner vorhanden sind. Wobei wir einfach davon ausgehen, dass Sie sich vor der Anschaffung im Klaren darüber sind, dass ein Hundeleben im Durchschnitt 12 Jahre währt, d.h. 12, 15 oder mehr Jahre Verantwortung bedeuten.

Es gibt für einen Hund nichts Schlimmeres, als seinen Bezugspartner zu verlieren. Da die meisten Tiere, die über den Tierschutz vermittelt werden bereits mindestens einmal solch eine Trennung hinter sich haben, halten wir es für besonders wichtig, das sich dies nicht mehr wiederholt

Entscheiden Sie also nicht nur für den Augenblick, sondern seien sich der Verantwortung Ihrer Entscheidung bewusst - dem Tier zuliebe !

Bitte bedenken Sie auch, wie gut Sie und Ihr zukünftiger tierischer Partner zusammen passen... ein Border Collie ist eher ungeeignet, wenn Sie täglich viele Stunden ausser Haus sind (für jeden anderen Hund auch...) und am Wochenende gerne auf dem Sofa liegen und ein Dackel ist Ihren Anforderungen vielleicht nicht gewachsen, wenn Sie mehrmals wöchentlich stundenlang ins Gebirge möchten- eigentlich ist das ja selbstverständlich, aber - manchmal scheint es eben doch nicht selbstverständlich zu sein.

Die täglichen Kosten für Futter und die ggf. anfallenden Kosten für therapeutische Hilfe sind im Voraus nicht abzuschätzen, aber auch hier gehe ich davon aus, dass eventuelle Kosten nicht das Verhältnis trüben oder gar zu einer Weggabe des Hundes führen.

Zu bedenken sind also im Voraus die Kosten für Impfung, Entwurmung, den jährlichen Check up, Futter, Nahrungsergänzung und ggf. Aufbaunahrung.

Gerade bei der Ernährung sollten Sie darauf achten, dass keine Billignahrung gegeben und somit am falschen Ende gespart wird. Zahlreiche Erkrankungen und vor allem Mangelerscheinungen machen sich erst nach Jahren bemerkbar. Setzen Sie den gleichen Maßstab für Ihren vierbeinigen Begleiter an, wie für sich - Qualität und Abwechslung inbegriffen.

Ein wichtiger Aspekt auf Seiten der Tierschützer sollte bei der Vermittlung die Ehrlichkeit sein.

Das bedeutet, Offenheit gegenüber den Interessenten, Ehrlichkeit in Bezug auf die ‚Daten’ des Hundes. Kurzfristig gedacht erhöht es sicher die Vermittlungschancen, wenn der Hund in den Papieren ein, zwei, drei Jahre jünger gemacht wird, aber der erste Therapeutenbesuch wäre dann verbunden mit einer ersten Enttäuschung und einer veränderten Situation.

Das Vertrauensverhältnis wäre getrübt, die Voraussetzungen für ein optimales Zusammenleben zwischen Hund und Halter verändert, schließlich braucht ein 8-jähriger Hund anderes als ein 2-jähriger.

Für uns ist diese Vorgehensweise nicht ganz nachvollziehbar, geht es doch (sollte es gehen) um eine optimale Basis für alle Beteiligten.

Hier sind die Interessenten natürlich auf die Kooperation der Vermittler angewiesen. Das Vertrauensverhältnis sollte nach unserer Ansicht nicht dadurch gestört werden, dass aus einem 5-jährigen, Leishmaniose positiven Hund ein 2-jähriger, kerngesunder wird. Das ist weder dem Hund gegenüber fair noch dem neuen Halter.

Bei den Vierbeinern aus dem Süden besteht immer ein gewisses Risiko, dass sie an einer der sogenannten Mittelmeerkrankheiten erkranken könnten. Wobei dies keinesfalls dadurch vermieden wird, dass man sich erst gar keinen Hund aus dem Süden holt. Die Tiere brauchen unsere Hilfe dringend und gerade die Podencos, Galgos und andere spanische Jagdhunde und Mischlinge haben im Ursprungsland kaum Vermittlungschance. Hier bedeutet ausgesetzt zumeist auch chancenlos.

Eine Information zu den möglichen Erkrankungen deutscher und südländischer Hunde finden Sie unter anderem  unter Gesundheit. Wichtig zu wissen: die sogenannten Mittelmeerkrankheiten treten nicht nur im Süden auf, sondern sind auch in D-A-CH weit verbreitet und das nicht nur durch Importtiere sondern durch das Vorkommen der Erreger im eigenen Land. (Hier soll kein medizinisches Detailwissen vermittelt werden, die Informationen bieten lediglich  einen groben Überblick, bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an Ihren Therapeuten!)

Weder übermässige Angst noch Gleichgültigkeit sollte Ihre Überlegung beeinflussen. Konsequente Aufklärung, Ehrlichkeit und relevante (schriftliche !) Testergebnisse sind gefragt. Hier empfehlen wir, je nach Herkunftsort einen kompletten Check up, mindestens jedoch ein Test auf Leishmania und Ehrlichia, besser abgestimmt auf mögliche Erkrankungen im jeweiligen Gebiet. (Babesia - Ehrlichia – Leishmania - Filaria). Hier wird Ihnen Ihr Therapeut sicherlich gern beratend zur Seite stehen.

Bitte bringen Sie in den ersten Tagen und Wochen dem neuen Familienmitglied die nötige Geduld entgegen, alles ist neu, vielleicht gab es vorher schlechte Erfahrungen, so dass ein Vertrauen erst wieder neu aufgebaut werden muss.

Auch hier ist die vermittelnde Organisation gefragt: je mehr Infos zur Vorgeschichte, desto einfacher ist die Umstellung für Hund und Halter.  Auch nach der Adoption sollte der Verein noch hilfreich zur Seite stehen.

Unterstützen Sie keine ‚Schnellvermittlung‘, bei denen es nur darum geht, möglichst viele Tiere irgendwie unterzubringen. Fragen Sie nach Erfahrungen. Fragen Sie auch nach, was mit Ihren Spenden geschieht. Gehen diese zurück zu den Tierschützern in Südeuropa, die sich für die Tiere einsetzen oder fliessen die Gelder in Abwicklung und Organisation auf deutscher Seite ?

Tierschutz ist wichtig, kann aber nur hilfreich sein, wenn sich dauerhaft die Situation vor Ort, also in Spanien, Italien, Griechenland ändert ! Dazu braucht es viele helfende Hände, Spenden und engagierte Tierschützer, die langfristig handeln und nicht kurzfristig ‚retten‘.

Nach möglichen Startschwierigkeiten sind die Tiere sehr anpassungsfähig und sehr dankbar, wenn wir Ihren Bedürfnissen nach Wärme und Sicherheit, Vertrauen und Streicheleinheiten, Nähe und einem gut gefüllten Futternapf nachkommen.

Sicher ist viel Geduld notwendig, um dem Hund die Zeit zu geben, die er braucht um sich an alles Neue zu gewöhnen, Fahrräder und LKWs können Angst auslösen und der Hund versucht davon zu rennen, daher empfiehlt sich zu Anfang immer und unbedingt eine doppelte Sicherung, d.h. ein Karabiner am Halsband, ein Karabiner am Geschirr befestigen !!

Aber rückblickend erscheinen uns nach den ersten Monaten alle Hürden als lohnenswert, verglichen mit der Liebe, die uns ein Tier aus dem Tierschutz entgegenbringt. 

Bericht einer Tierärztin zum Thema Reisekrankheiten

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