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Die Geschichte einer Galga.Shakira_0306

Alles begann im Oktober 2005 in Spanien. Die Tierschützer erhielten immer wieder Anrufe, man habe einen Hund gesehen, sehr scheu und ängstlich, er liesse sich nicht anfassen oder gar einfangen. Die Tierfreunde machten sich auf den Weg, aber die Hündin war nicht zu sehen. Wieder im Tierheim, neue Anrufe, neue Fahrten, weiterhin erfolglose Suchaktionen.

Immer wieder machten sich die spanischen Tierschützer sofort auf den Weg, suchten und suchten und blieben erfolglos. Immer wieder gingen sie an die geschilderten Sichtstellen, aber alle Bemühungen blieben vergebens.

Einige Wochen später meldeten sich erneut Personen, die einen Hund gesehen hatten, wiederum mit einem Fangeisen am Hinterlauf. Es sei eine ‚Galga negra’.

Wieder machte sich eine Gruppe auf den Weg, wieder war der Hund spurlos verschwunden. Auch die Anwohner konnten nicht helfen, niemand hatte eine Ahnung, wo der Hund sein könnte. Die Tierschützer wurden ganz verrückt bei der Vorstellung, was das arme Tier leiden musste und waren doch machtlos.

Sie gaben nicht auf, aber nachdem der Hund nicht mehr gesehen wurde, lag die Vermutung nah, dass er diese Tortur nicht überlebt hatte.

Dann kam erneut ein Anruf: ein Mann hatte eine schwarze Galga in der Stadt gesehen, humpelnd und mit einem halben Bein. Sie sei sehr abgemagert gewesen, aber in der Stadt hatte sich die Spur schnell verloren – wo suchen ? Schließlich ein Telefonat von einem Bauarbeiter, der  von einem schwarzen Hund in der Nähe eines verlassenen Hauses berichtete. Aber – das Baugelände könne niemand betreten, es sei zu gefährlich.

Natürlich waren die Tierfreunde nicht zu halten, versuchten ihr Glück, aber die Bauarbeiter waren wenig kooperativ, man wollte niemand auf das Gelände lassen, ausserdem sei der Hund so scheu, dass keine Chance bestünde, ihn einzufangen.

Die Polizei wurde um Unterstützung gebeten, aber alles verlief nach dem ‚mañana Prinzip’ – morgen, morgen.

Schließlich durfte man mit einem Beruhigungsmittel präpariertes Futter auslegen. Unsere spanischen Kooperationspartner baten um Hilfe. Hilfe aus der Entfernung, mittels Tierkommunikation mit der wir bereits in anderen Fällen guten Erfolg hatten.

Sayani_0406_01So unglaublich es klingen mag, so beeindruckend war es auch zu erleben, was die schwarze Galga vermitteln konnte, über sich, über ihre Situation. Sie war bereit, sich helfen zu lassen und es kam schließlich zu einem guten Ende.

Tierfreunde und Tierkommunikatorin vereinbarten eine Uhrzeit, zu der die Hündin erneut aufgesucht werden sollte. Als man dorthin kam, liess sie sich einfangen. Sie vermittelte Bilder und Gefühle von sich, von ihren Welpen, liess sich überzeugen, dass sie eine sichere Bleibe und eine therapeutische Versorgung brauchte.

Shakira_0206Shakira wurde in einem Transportkäfig von der Baustelle zum Tierheimauto transportiert und sofort in die Tierklinik gebracht. Ein Teil des Hinterlaufes war abgestorben, die Wundheilung dadurch erschwert, dass sie den Fuss belastet hat, auf der Suche nach Nahrung für sich und den Nachwuchs.

Die Galga war abgemagert und wurde über viele Monate liebevoll von den spanischen Kooperationspartner  aufgepäppelt.

Die Welpen waren in gutem Zustand, es ist unglaublich, was dieser Hund geleistet hat. Die Versorgung, Futter suchen und Welpen grossziehen, ein Leben auf der Strasse, voller Angst und mit grossen Schmerzen.

Shakira_0306Shakira verhielt sich im Tierheim sehr zurückhaltend, vertraute nur wenigen Personen.

Eine Dame aus der Nähe von Mannheim entdeckte die Hündin wenige Tage nachdem sie auf der Homepage vorgestellt wurde und ja, diesen Hund wollte sie adoptieren !

Der übliche Ablauf (Gespräche, Fragebogen, Mails) sprach nicht dagegen, es bestand Hundeerfahrung, es gab bereits Windhunde im Haus und auch der Vorbesuch sah keinerlei Einwände gegen einen weiteren Hund. Das Grundstück augenscheinlich sicher eingezäunt, das Haus gross und geräumig bot viel Bewegungsfreiheit. Shakira sollte kommen !

Bis sich allerdings ein Flugpate fand, hatte die Dame einen Hund in Pflege genommen, einen jungen, temperamentvollen Galgorüden. Das änderte  die ursprünglichen Voraussetzungen erheblich und als wir erfuhren, dass der angebliche ‚Pflegehund’ bereits adoptiert war, traten wir von einer Vermittlung zurück.

Monate vergingen, es kam zu einer erneuten Kontaktaufnahme und wieder folgten Gespräche und Briefe.

Sie habe nun erkannt, dass Shakira zu ihnen gehöre, wollten sie nach wie vor adoptieren und trauten sich das alles auch weiterhin zu.

1106Grosse Skepsis von unserer Seite, zahlreiche Informationen darüber, was es bedeutet einen Angst- oder Panikhund aufzunehmen. Aber es blieb dabei: beide Ehepartner wollten diesen Hund gerne zu sich nehmen und zeigten ein grosses Verantwortungsbewusstsein.

Shakira kam schließlich in den ersten Novembertagen. Alles schien perfekt zu laufen, die ersten Bilder zeigten ein glückliches Kind neben einem schlafenden Hund, entspannt und zufrieden. Shakira verhielt sich vorbildlich, nicht so die bereits vorhandenen Hunde, die absolut aus dem Ruder liefen. Frauchen überfordert, Stress in der Familie, dann die tragische Info: Shakira ist entlaufen. Wut und Traurigkeit, Angst und immer wieder die Frage: ‚wie konnte das passieren ?’.

Podenco in Not bemüht sich stets, die neuen Halter auf den jeweiligen Hund, auf die besondere Situation eines Hundes aus dem Süden vorzubereiten. Zahlreiche Informationen und das Hauptaugenmerk immer auf das Thema Sicherheit gerichtet. Dennoch liessen die neuen Halter nachts (!) den Hund ohne Schleppleine in den Garten und stellten dann nach drei Stunden (!) fest: weg.

Unfassbar, aber wahr – eingeschlafen !

Was danach folgte, war ein Albtraum. Zwanzig Tage war Shakira unterwegs. Zwanzig Tage zwischen Autobahnen und Schnellstrassen, Einfangversuche, Futterstellen eingerichtet, professioneller Hundefänger, Hilfspersonen und immer wieder: Hund gesichtet, lässt sich nicht einfangen.  Eine andere Galgohalterin befand, dass man sicher den Hund doch anfassen könnte und erreichte damit, dass Shakira flüchtete, das bekannte Gebiet verliess und 100 (!) Kilometer weiter wieder zur Ruhe kam. Neue Futterstellen einrichten, unzählige Gespräche, Telefonate, Plakate, Informationen und die stete mediale Kontaktaufnahme, die letztlich dazu führte, dass die Hündin zurück (wiederum über 100 Kilometer) zum ehemaligen Halter ging.

Sayani_1206Traurig war der ‚Einsatz’ einiger so genannter Tierschützer. Aus dem schwarzen Galgo mit amputierten Fuss wurde ein angefahrener Podenco. Es gab Briefe und Telefonate von Menschen, die glaubten, dass sie allein auserkoren seien um einen Panikhund einzufangen. Da gab es auch Menschen, die sauer waren, dass wir uns nicht an den Spekulationen und vor allem an der Treibjagd beteiligen wollten.

Traurig war auch, dass Suchanzeigen nicht nur quer durch Deutschland, sondern europaweit verbreitet wurden.

Ergebnis: die Einfangversuche verschiedener Personen führten zu Panik beim Hund. Immer wieder mussten neue Futterstellen eingerichtet werden, weil der Hund von den alten vertrieben wurde. Es blieb das grosse Unverständnis, dass ‚Podenco in Not die Hilfe nicht annehmen will’.

Dann eines Abends ein Telefonat ‚sie ist in der Nähe’, parallel dazu die mediale Kommunikation und es geschah das Unglaubliche: die Galga ging in den Garten, ins Haus, vorbei an beiden Menschen, direkt in die Küche, in den Korb. Am Ende ihrer Kräfte, abgemagert und nur noch müde verbrachte sie dort die Nacht und wurde am nächsten Tag von uns abgeholt.

Für alle, die sich bisher nicht mit der Thematik ‚Telepathie’ beschäftigt haben, ein unglaubliches Ereignis, aber glauben Sie uns: nicht nur für Sie. Auch wir können es kaum fassen, welches Vertrauen dieser Hund erneut aufgebracht hat und sehen ihre Rückkehr als grosses Geschenk an.

Sayani entwickelte sich bereits in den ersten Tagen in ihrer Pflegestelle sehr gut, lernte enorm schnell, liess sich streicheln, suchte den Kontakt und zeigte und ihre Freude jeden Tag. Diese Kraftanstrengung war nicht nur für sie enorm, alle Beteiligten fielen zentnerweise Steine vom Herzen, als sie in Sicherheit war.

Bedanken möchten wir uns nochmals ganz herzlich bei allen, die mit ihrer Ruhe und Gelassenheit dazu beigetragen haben, dass es gut ausging. Wir haben grosse Unterstützung erfahren durch Menschen, die Futterstellen eingerichtet und Sichtungen gemeldet haben, die mit uns gehofft und gebangt haben.

Sayani Sayani-Jahé hat ein neues Leben begonnen und ihr Wunsch war es auch, dieses mit einem neuen Namen zu tun.

Ein Hund, der uns viel gelehrt hat. Geduld, Vorsicht, Nachsicht mit Menschen, Dankbarkeit.

Wir haben uns natürlich viele Male gefragt: wo lag der Fehler ?

Vielleicht war es eine Verkettung unglücklicher Situationen, sicherlich eine nicht zu entschuldigende Unachtsamkeit, mehr noch Gleichgültigkeit des Halters. Vielleicht hätten wir mehr fragen, mehr hören, mehr sehen müssen ?

Sayani_1206Sicher ist als Konsequenz, dass wir innerhalb unserer Vereinsarbeit noch genauer hinsehen und noch ausführlicher informieren werden. Es ist unpopulär, dass der Verein im Vorfeld so viele Fragen stellt und immer wieder stossen wir auf Unverständnis und Aussagen ‚wenn es so kompliziert ist, dann hole ich mir woanders einen Hund’.

Ja, es ist kompliziert, weil es für uns um die Verantwortung für ein Lebewesen geht und nicht um eine Ware, die man im Internet bestellt. Der Umzug aus Spanien muss ein Umzug in ein optimales Zuhause sein. Auch wenn wir uns bewusst sind, dass es immer ein Risiko geben wird, Situationen, die man nicht vorhersehen kann, so soll doch gewährleistet sein, dass das, was wir beeinflussen können, ein Stück Sicherheit bedeuten muss. Sayani_1206

Geplant war, dass sie zunächst zur Ruhe kommen und wieder Vertrauen lernen sollte, dann wollten wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Zuhause machen, aber Sayani fand: ich habe doch schon eins !

Sayani lebt auf, sie hat enorme Fortschritte gemacht, sie schenkt uns jeden Tag ihr grosses Vertrauen, sie begleitet uns und ist sehr eng an uns gebunden.

Natürlich hatte die 20-tägige Dauerkommunikation daran einen entscheidenden Anteil, aber geplant war das nicht ! (von unserer Seite)

April 2007Nun wird sie nur noch einmal umziehen... von ‘Zuhause gesucht’ zur ‘Residencia’.

Sie wird Sie auf der PiN Seite weiter begleiten und wir werden über sie und auch über die weitere Therapie berichten. Die Untersuchungsergebnisse vor einigen Wochen haben ergeben, dass eine Teil- oder Totalamputation des Hinterlaufes auf lange Sicht kaum zu vermeiden ist. Die Arthrose ist bereits fortgeschritten, der Hinterlauf durch die Verletzung in der Schlagfalle massiv lädiert.

Es liegt also noch eine gemeinsame Aufgabe vor uns, wir werden nach einer weiteren Untersuchung entscheiden, ob eventuell eine prothetische Versorgung möglich ist.

Am 12.11.2007 wurde Sayani operiert. Dank des grossen Engagements und Entgegenkommens der Schweizer Tierklinik konnte ein längerer Klinikaufenthalt vermieden werden und so ist Sayani bereits wenige Tage nach der OP wieder Zuhause. Innerhalb der Operation wurden die herausstehenden Knochensplitter, die ein Auftreten bisher verhindert haben, entfernt. Der durch die Falle verletzte Knochen wurde entsprechend präpariert. Eine Möglichkeit und Hoffnung um eine Transplantation oder gar Amputation zu vermeiden. Die Wundheilung verläuft gut und wir hoffen, dass sie nun schmerzfrei und möglicherweise mit Pfotenschutz auftreten kann.

April 2007

Aus ‘Residencia cuidada ~ Betreutes Wohnen’ werden Hunde betreut, die im Pflegezuhause bleiben dürfen, aber weiterhin ein wenig Hilfe benötigen.

Und bei der Gelegenheit berichten wir gern von einigen ‚Ehemaligen‘:

Abuelo (‚das Grossväterchen‘) –  nix mit Grossvater, ein stattlicher Podencorüde, der aktiv und fit ist zeigte sich uns mit seinem Menschen. Abuelo geht es prima und er lebt jetzt ebenso wie die nachfolgenden Hunde auf (sAbuelo April 2007)einem ‚Altenteil‘.

Auch für Blanquita fand sich ein dauerhaftes Zuhause, mit der nötigen Distanz, mit viel Freilauf und wohl dosierter Zuwendung.

Vistore        hat Herrchen (in Portugal) um die Pfote gewickelt, ist rundherum zufrieden und fit

Aiko        darf mit seiner Lebensgefährtin Dorine auf einem gemeinsamen VistoreAltenteil leben

All diese Hunde konnten den Sprung nur mit Ihrer Hilfe schaffen und bei manchem diente der Fonds Residencia zur weiteren therapeutischen Betreuung oder für Nachtests.

Dafür danken wir Ihnen herzlich.

 

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